Fake-Bild, Fake-Video – erkennst du den Unterschied noch?

Fake‑Bilder zu erkennen, war vor zwei Jahren noch vergleichsweise einfach. Für diesen Artikel habe ich testweise meinen von HeyGen mit Avatar V produziertes KI‑Avatar‑Video und mein von ChatGPT Images 2.0 erzeugtes KI‑Profilfoto durch einen Detektor geschickt. Das Video wurde mit 86% als KI‑Inhalt eingestuft, das Profilbild mit 99%. Bei meinem eigenen Material hat die Erkennung also sehr gut funktioniert. Wie gut sich perfekt produzierte Fakes tarnen, lässt sich aus diesem Test noch nicht ableiten.

Und die Frage ist nicht mehr: Gibt es Fakes? Sondern: Erkennst du sie noch, bevor du draufhereinfällst?


Das Finger-Problem – und warum es kleiner wird

Lange war es einfach. Sechs Finger an einer Hand, verwischte Ohren, unlesbarer Text im Bild – und schon war klar: KI-generiert.

Das stimmt heute nur noch halb. Neuere Bildgeneratoren wie ChatGPT Images 2.0 und aktuelle Videomodelle machen deutlich weniger dieser klassischen Fehler. Hier hatte ich die wichtigsten KI-Videogeneratoren bezüglich der Hände- und Fingerproblematik untersucht. Wer jedoch glaubt, er erkennt Fakes allein am Fingercheck, irrt.

Trotzdem gibt es Merkmale, die KI bisher nicht vollständig beherrscht.


Fake Bilder erkennen – was dein Auge noch sieht

Bei Bildern – diese Details verraten den Fake:

  • Hände und Finger – zu viele, zu wenige, verwachsen. Noch immer der erste Blick, den ich mache
  • Haut zu perfekt – keine einzige Pore, keine Asymmetrie, kein Makel. Echte Menschen sehen anders aus.
  • Hintergrund inkonsistent – die Tiefenunschärfe passt oft nicht zur Szene
  • Text im Bild – unleserlich, verzerrt, falsch buchstabiert. KI kann teilweise noch schlecht schreiben, was sie ins Bild einbettet
  • Schmuck und Brillen – Ohrringe nicht symmetrisch, Brillengläser reflektieren falsch
  • Schatten stimmen nicht – das Licht kommt aus einer Richtung, der Schatten aus einer anderen

Bei Videos – hier schaue ich zuerst hin:

  • Augenbewegung und Blinzeln – zu wenig, zu starr, unnatürlicher Rhythmus
  • Lippensynchronität – bei Deepfakes stimmt die Mundbewegung oft nicht exakt mit der Stimme überein
  • Haare – einzelne Strähnen, die sich bewegen? KI hasst das. Oft verschwimmt es einfach
  • Stimme monoton? – kein Zögern, keine Emotion, keine natürlichen Pausen
  • Kurze Clips, viele Schnitte – KI kann oft nur kurze Videoabschnitte konsistent erzeugen
  • Beleuchtungswechsel – Gesicht und Hintergrund haben verschiedene Lichtquellen

Die Methode SIFT – 4 Sekunden vor dem Teilen

Bevor ich etwas weiterschicke oder glaube, mache ich das konsequent:

  1. Stopp – kurz innehalten, bevor ich reagiere
  2. Investigate – Quelle prüfen: Wer hat das gepostet? Wann? Wo zuerst?
  3. Find better coverage – gibt es weitere Quellen, die das bestätigen?
  4. Trace claims – Ursprung zurückverfolgen

Klingt aufwändig. Ist es nicht. Dauert 30 Sekunden.


Das Tool, das ich getestet habe – und die Alternativen

Bevor ich Tools empfehle, teste ich sie selbst. Mit echtem Material, nicht mit Stockfotos. Nur so bekomme ich ein ehrliches Bild davon, was ein Detektor wirklich leistet – und was nicht.

Fake Bilder erkennen – das leistet TruthScan im Test

Ich wollte wissen, wie gut ein KI-Detektor wirklich ist. Also habe ich mein eigenes Material genommen und TruthScan* getestet.

Mein KI-Profilfoto, das du oben siehst, hat TruthScan* mit 99% als KI-Wahrscheinlichkeit erkannt. Und das linke Originalfoto als „Echt“ eingestuft.

Fake Bilder erkennen: TrueScan-Ergebnis der beiden Bilder

Hier mein Avatar, den ich mit HeyGen*, Avatar V erstellt habe. Eigentlich sieht er ja ganz echt aus, aber TruthScan* erkennt es trotzdem als KI-generiertes Video.

Das Originalvideo konnte ich zum Vergleich leider nicht testen, da ich die Aufnahme direkt mit HeyGen* am Mac mit der eingebauten Webcam und dem Mac-Mikrofon gemacht habe.

Wichtig: Für die neue KI-Kennzeichnungspflicht nach dem EU AI Act ist TruthScan kein Ersatz. Das Tool kann Hinweise liefern, aber nicht die rechtlich erforderliche Offenlegung übernehmen.

Für wen ist TruthScan unbedingt notwendig?

TruthScan erkennt Bilder, Videos, Texte und Stimmen – alles in einer Oberfläche. Das ist praktisch, wenn du nicht für jeden Medientyp ein anderes Tool öffnen willst. Das Freemium-Modell reicht für gelegentliche Checks. Wer Fake Bilder erkennen will und das regelmäßig im Unternehmen braucht, schaut sich den kostenpflichtigen Enterprise-Plan an.

TruthScan ist nicht für den gelegentlichen Privatnutzer gebaut. Es richtet sich an:

  • Unternehmen, die Bewerbungsfotos, Belege, Vertragsunterlagen oder Kundenkommunikation prüfen müssen
  • Bildungseinrichtungen, die KI-generierte Einreichungen und akademisches Fehlverhalten erkennen wollen
  • Behörden und Strafverfolgung, die digitale Beweismittel verifizieren
  • Medien und Journalismus, die Bildmaterial vor der Veröffentlichung prüfen
  • Finanz- und Versicherungsbranche, bei der gefälschte Belege, Ausweise und KYC-Dokumente ein echtes Betrugsrisiko darstellen

Die Plattform gibt an, über 250 Millionen Menschen vor KI-Betrug zu schützen, und weist im eigenen Trust Center SOC 2 Type II aus. Einen öffentlich einsehbaren unabhängigen Nachweis konnte ich bei meiner Prüfung nicht verifizieren.

Was mich überzeugt hat: Die Detailbegründung. TruthScan zeigt nicht nur einen Prozentwert – es erklärt, warum es den Inhalt als KI einstuft. Metadaten, Hauttextur, Symmetrie. Das ist lehrreich.

Was ich vermisse: Die kostenlose Version hat Limits, die schnell erreicht sind.

DSGVO-Hinweis zu TruthScan

TruthScan verarbeitet hochgeladene Inhalte wie Bilder, Videos und Texte auf eigenen Servern. Im eigenen Trust Center weist der Anbieter SOC 2 Type II, ISO 27001 v2022 und GDPR als compliant aus. Öffentlich einsehbare Nachweise dazu sind jedoch nur eingeschränkt verfügbar. Für Nutzer im EWR nennt TruthScan einen EU-Vertreter in Deutschland: Rickert Rechtsanwaltsgesellschaft mbH.

Wichtig für Unternehmen: TruthScan ist ein US-Dienst. Wer Gesichter oder andere personenbezogene Bild- oder Videodaten hochlädt, braucht eine klare Rechtsgrundlage, einen Auftragsverarbeitungsvertrag und Klarheit zur Speicherfrist. Laut Privacy Policy werden eingereichte Inhalte standardmäßig 30 Tage gespeichert. Vor einem produktiven Einsatz mit sensiblen Daten sollte das deshalb genau geprüft werden.

Was die KI-Kennzeichnungspflicht ab 2.8.2026 ändert

Ab dem 2. August 2026 gelten nach Artikel 50 des EU AI Act neue Transparenzpflichten für bestimmte KI-generierte und manipulierte Inhalte. Das betrifft vor allem Deepfakes sowie Inhalte, die für echte Aufnahmen gehalten werden können. Wer solche Inhalte veröffentlicht oder einsetzt, muss in bestimmten Fällen offenlegen, dass sie künstlich erzeugt oder manipuliert wurden.

Für KMUs ist wichtig: Ein Erkennungstool wie TruthScan erfüllt diese Kennzeichnungspflicht nicht automatisch. Es kann verdächtige Bilder, Videos oder Audiodateien erkennen und damit bei der internen Prüfung helfen. Die rechtlich nötige Kennzeichnung ersetzt es aber nicht.

TruthScan ist deshalb eher ein Prüf- und Screening-Werkzeug als ein Compliance-Werkzeug. Wenn du selbst KI-Bilder, KI-Avatare oder synthetische Videos veröffentlichst, brauchst du zusätzlich klare interne Regeln: Wann wird gekennzeichnet, wie wird gekennzeichnet und wer gibt Inhalte frei?

Alternative Tools:

Für viele KMUs ist TruthScan eher ein Profi-Werkzeug für größere Prüfvolumina. Wer nur gelegentlich Bilder oder Videos prüfen will, findet günstigere Alternativen.Diese Tools habe ich noch nicht persönlich getestet, sie werden aber von Fachmedien empfohlen, als Alternativen je nach Anwendungsfall:

ToolTypKostenBesonderheit
Reality DefenderBild, Video, Audio, TextKostenpflichtigFür Unternehmen und Behörden, auf Echtzeit-Erkennung und API-Workflows ausgelegt
AttestivVideo, Bild, Audio, DokumenteFreemiumPrüft Deepfakes, Manipulationen und Metadaten; Einstieg kostenlos, Premium- und Business-Pläne verfügbar
DeepwareVideoKostenlosEinfach, mobilfreundlich und gut für schnelle Video-Checks; Web-Scanner öffentlich nutzbar
AI or NotBild, Audio, Video, TextFreemiumEinfacher Einstieg für KMU, schnelle Bildprüfungen, begrenzter Free-Tarif und günstige Einstiegspreise
InVID-WeVerifyBild + VideoKostenlosBesonders bei Journalisten, Fact-Checkern und OSINT-Recherchen beliebt; kombiniert Verifikationstools statt nur KI-Erkennung
HiveBild, Video, Audio, TextKostenpflichtigFür größere Bildmengen und API-Workflows oft günstiger als klassische Enterprise-Detektoren

Für kleine und mittlere Unternehmen sind vor allem zwei Alternativen interessant: AI or Not als einfacher Einstieg für gelegentliche Bildprüfungen und Hive, wenn viele Bilder per API geprüft werden sollen. Beide sind für KMUs oft günstiger oder passender als TruthScan, wenn keine Enterprise-Funktionen für Redaktion, Plattformen oder große Prüfprozesse gebraucht werden.

Kein Tool ist unfehlbar. Aber ein Tool plus geschultes Auge – das ist eine echte Kombination.

AI or Not

Zum Vergleich habe ich auch AI or Not getestet. Mein KI-generiertes Profilbild wurde dort mit 96 % als „Likely AI“ erkannt, mein Originalfoto dagegen als „Likely Real“ mit nur 2 % KI-Wahrscheinlichkeit. Das Ergebnis war damit ebenfalls plausibel und für einen schnellen Gegencheck hilfreich. Im Vergleich zu TruthScan wirkt AI or Not schlanker und einfacher, richtet sich aber eher an schnelle Einzelprüfungen als an größere professionelle Prüfprozesse.

Christa Stuber echtes Foto

Christa Stuber KI-generiert

Was das für KMUs bedeutet

KMUs bekommen heute täglich Bilder von Bewerbern, Lieferanten, Partnern, Pressequellen oder aus Social Media. Ein KI-Bewerbungsfoto oder ein gefälschtes Belegfoto kann dabei schnell ungeprüft durchrutschen.

Was davon ist echt?

Das ist keine theoretische Frage mehr. Mein KI-Avatar sah täuschend echt aus – nur die Analyse sagte: 86% KI. Wer heute Bildmaterial oder Videos nutzt, ohne sie zu prüfen, trägt ein Risiko. Das gilt für Recruiting genauso wie für Kommunikation und Marketing.


Mein Fazit nach dem Test

Visuelle Kontrolle allein reicht nicht mehr. Ein einziges Tool reicht nicht. Wer beides kombiniert – den geschulten Blick und einen Detektor – ist deutlich besser aufgestellt als die meisten Nutzer.

Die Frage ist nicht, ob du irgendwann einen Fake siehst. Die Frage ist, ob du ihn rechtzeitig erkennst.


Foto Christa Lindau removebg preview

Dipl.-Wirtschaftsingenieur, KI-Enthusiast, Autor
Mit 50 Jahren Erfahrung im IT-Bereich, beschäftige ich mich intensiv mit Künstlicher Intelligenz und ihren vielfältigen Anwendungen in Wirtschaft, Marketing und Alltag. Mit praxisnahen, verständlichen Beiträgen zeige ich, wie KI unseren Wandel gestaltet und wie du die Technologie sinnvoll nutzt. Für meine Arbeit erhalte ich teilweise eine kleine Aufwandsentschädigung.